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BESONDERHEITEN DER ORGANSPENDE IM INTERNATIONALEN VERGLEICH: SPENDERSITUATION, SPENDERMOTIVATION
Prim. Dr. Albert Reiter, Transplantationsreferent NÖ, Leiter der Abteilung für Anästhesie und Intensivmedizin am Landeskrankenhaus Mostviertel Amstetten
Im Jahr 2000 richtete das ÖBIG (Österreichisches Bundesinstitut für Gesundheitswesen) ein erstes Transplantationsreferat für die Bundesländer OÖ. und Salzburg ein, weil dort die Organspendezahlen am dringendsten angehoben werden mussten. Das Pilotprojekt, geleitet von Prim. Dr. Walter Löffler, bewährte sich glänzend und steigerte die Organspendezahlen nachhaltig. Seither wurden solche Referate für ganz Österreich gegründet. Niederösterreich ist das jüngste davon.
Transplantation hat Tradition in Österreich
Im Jahr 1902 wurde von Prof. Emerich Ullman, dem Chefchirurgen des Wiener Hartmannspitals, die erste Nierenverpflanzung durchgeführt. Sie erfolgte von einem Hund auf einen anderen Hund und war erfolgreich. Dieser Eingriff gilt heute als Geburtsstunde der Transplantationsmedizin.
Der 1868 in Baden bei Wien geborene Karl Landsteiner ist als Entdecker der Blutgruppen bekannt, was eine wichtige Voraussetzung für Transplantationen ist. Er wurde für seine Arbeit 1930 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet.
Prof. Dr. Raimund Margreiter, mittlerweile jedem Kind in Österreich bekannt, verpflanzte im Oktober 1983 das erste Herz in Österreich.
Aktuelle Zahlen
Auf eine Niere warten lt. ÖBIG-Jahresbericht 2006 in Österreich 835 Menschen, auf eine Leber 115, auf ein Herz 58, auf eine Lunge 85 und auf eine Bauchspeicheldrüse 32. Die Wartezeiten sind im Vergleich zu anderen Ländern sehr kurz (für eine Niere je nach Blutgruppe im Schnitt etwa 15 Monate, für Herz und Leber etwa 5 Monate), sollten aber natürlich noch weiter reduziert werden. Denn bei den Herzen stirbt beispielsweise jeder fünfte Patient, bevor ein Organ für ihn verfügbar ist.
Spenderzahlen: Spitzenreiter in Europa ist Spanien mit 34,6 Spendern pro Million Einwohner. Österreich kommt mit 22,1 auf Platz zwei. In Deutschland und in der Schweiz sind es nur etwas mehr als 12 Spender pro Million Einwohner.
Motivation und Steigerung des Organspenderaufkommens
Prim. Dr. Reiter will das Thema in den Unterricht niederösterreichischer Schulen einbauen. Für eine Integration in den Religionsunterricht hat Diözesanbischof Küng, der selbst Mediziner ist, bereits großes Interesse signalisiert.
Der innovationsfreudige Primar hat heuer auch Soldaten des Bundesheers zur Organspende informiert. Das Echo des von ihm gehaltenen Referats vor 300 Jungmännern testete er in einem Fragebogen. Die Ergebnisse sind überaus ermutigend. Auch die Erste-Hilfe-Kurse bei den Führerscheinausbildungen eignen sich für eine Information zur Organspende. Medienarbeit: Was wir erzielen wollen, ist stetige positive Berichterstattung, jedoch keine Sensationsberichterstattung. Ein weiterer Punkt ist die Information der Spenderkankenanstalten über neue Erkenntnisse und die Rückmeldung nach einer abgelaufenen Organentnahme.
Vor allem in kleineren Spitälern soll die Motivierung zur Wahrnehmung von möglichen Organspendern weiter gesteigert werden bzw. sind strukturelle Probleme zu lösen. Für die seelische Belastung der Angehörigen, aber auch des Pflegepersonals, ist psychologische Unterstützung sicherzustellen.Kommunikationsseminare für das medizinische Personal im Umgang mit Angehörigen helfen den Bediensteten wie auch den Angehörigen sehr.
Wer sich für die Vornahme einer Lebendspende interessiert, soll ebenfalls einfühlsame und kompetente Gesprächspartner vorfinden.
Last but not least ist die Zusammenarbeit mit den Selbsthilfegruppen wichtig. Prim. Dr. Reiter wörtlich: „Dies ist heute mit Start in der Kooperation mit den Selbsthilfegruppen. Ich möchte die Vorsitzenden dieser Gruppen bitten, dass sie auf mich zukommen, damit wir gemeinsam die Zukunft für das Bundesland NÖ planen. Wir unterstützen Sie auch gern in Ihrer Öffentlichkeitsarbeit!“ (Walter Kiesenhofer)
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