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Egon Saurer, Vereinsobmann
Die deutsche Ichgesellschaft!
Die Deutschen tun sich leicht mit Organspenden - in Umfragen. Regelmäßig heißt eine große Mehrheit, von Demoskopen befragt, lebensrettende Transplantationen von Nieren, Herzen oder Bauchspeicheldrüsen gut.
Die Deutschen tun sich schwer mit Organspenden - wenn es darauf ankommt. Es gibt In Deutschland viel weniger Spender als in Ösetrreich und anderen Ländern. Das bis heute gültige Transplantationsgesetz hatte, als es Ende der 90er-Jahre beschlossen wurde, bezeichnenderweise eines der längsten Gesetzgebungsverfahren der bundesdeutschen Geschichte hinter sich. Gebracht hat es dennoch wenig: Das Regelwerk sollte die Transplantationsmedizin fördern. Praktiker, Ärzte eben, sind sich aber einig darin, dass die Nöte heute größer sind als damals.
Längst sind die Deutschen zu Trittbrettfahrern geworden: Im europäischen Organspender-Verbund Eurotransplant ist Deutschland der Importmeister. Selbst mich erreichen immer wieder verzweifelte Anrufe von Eltern aus dem benachbarten Deutschland, wie es möglich sein könnte, dass ihre Kinder in Innsbruck transplantiert werden können.
Doch niemanden kümmert es: Die Politik ist bis heute traumatisiert von den Diskussionen um das Transplantationsgesetz. Und jeder, der auch nur eine behutsame Liberalisierung des geltenden Rechts ins Spiel bringt, wird niedergeschrien. Alle Ansätze, die in einer Organspende mehr als ein komplett selbstloses, aus eigenem Antrieb heraus getätigtes Geschenk sehen, werden im Zweifel unter Kommerzverdacht gestellt, gewiss aber als unethisch deklariert. Nur, was ist ethisch daran, wenn Tag für Tag in Deutschland Menschen sterben müssen, weil ihnen das geltende System den Zugang zu einer lebenswichtigen Organspende verwehrt? Wenn vielen weiteren nur eine minderwertige alternative Behandlung zuteilwird? Es wird Zeit, dass zur Abwechslung die Bedenkenträger in die Defensive gedrängt werden. Vorschläge, die Fortschritt verheißen und zugleich den Bürgern die Angst nehmen können, von wem auch immer missbraucht zu werden: Sie liegen längst vor, etwa vom unverdächtigen Deutschen Ethikrat.
Nötig wäre allein eine versachlichte Debatte. Frank-Walter Steinmeier hat mit seiner Nierenspende für seine kranke Frau nichts Heroisches vollbracht: Er hat, wenn alles gut geht, seiner Frau zu einem längeren Leben verholfen - ohne dabei ein mehr als geringes Risiko für die eigene Gesundheit einzugehen. Aber er hat womöglich auch, wenn endlich wieder eine ernsthafte Diskussion über die Transplantationsmedizin in Gang kommen sollte, en passant viele weitere Menschenleben gerettet. (1.9.2010)
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